Lichtlounge

Eine Bloggerin auf der Suche
nach dem schönsten Tageslicht

Objektatmosphäre

Tanz der bolivianischen Totenkopfäffchen

Tanz der bolivianischen Totenkopfäffchen

Es ist so windig, dass ich vor lauter fliegendem Haar kaum etwas sehe. An Frühling erinnert das Wetter hier gerade nicht wirklich. Eher an Herbst. Der Himmel ist teilweise von dunklen Wolkenbänken bedeckt. Regen kann man es noch nicht nennen, doch vereinzelte Tropfen fallen groß und schwer zu Boden. Es ist viel kälter als gedacht, doch sobald ich eintrete umhüllt mich tropische Wärme.  

Eine Symphonie aus Tierklängen durchzieht die Prinz Maximilian zu Wied Halle im Zoo Neuwied. Ich weiß gar nicht wo ich zuerst hinsehen soll. Um mich herum, in die Tiefen des Dschungels, um die Geräusche zu verorten? Oder doch eher hoch zu der riesigen Glasdach Pyramide, die sich über mir erstreckt? Vogelgezwitscher beschreibt eine glockenhelle Melodie über der Grundstimmung aus Knabber- und Trippelgeräuschen. 

Immer mehr Tiere stimmen ein. Klettergeräusche, Kaugeräusche, das Rauschen von Blättern. Bolivianische Totenkopfäffchen lösen mit ihren hohen Piepslauten die Melodie der Vögel ab und übernehmen die Führung. Was sie sich dabei wohl denken? Oder führen sie gerade ein Streitgespräch? Es wird immer lauter und vielschichtiger. Bald scheint der Klangteppich vollendet, denn die Tierstimmen schaukeln sich dem Höhepunkt ihres Klangkonzerts entgegen, an dem ich nicht mehr heraushören kann, aus welcher Richtung welches Geräusch kommt.  

Und plötzlich ist alles still. Als hätte jemand das Kommando dazu gegeben. Einzig leises Wasserplätschern durchdringt die Ruhe, die nun folgt. Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolkendecke und fluten die Prinz zu Wied Halle. Durch die riesige Glasdach Pyramide dringt Tageslicht auch in die hinterste Ecke des tropischen Tiergeheges. Der Duft von frischem Obst, Gemüse und Heu kitzelt meine Nase. 

Immer wieder zieht es meinen Blick nach oben, dem Himmel entgegen. Das wundert mich kaum, denn eigentlich besteht das Dach der Halle fast ausschließlich aus dieser atemberaubenden Stahl- und Glaskonstruktion. In der Mitte wird die Glaspyramide von einem runden Stahlträger gehalten. Rund deshalb, weil sich so das Faultier mit dem Namen Lento, das sich in der Halle völlig frei bewegen darf, schlecht am Träger festhalten kann. 

Doch da haben die Konstrukteure und Pfleger die Rechnung ohne Lento gemacht. Denn – wie mir eine Pflegerin erzählt - er klettert regelmäßig nach ganz oben in die Pyramide und hält sein Gesicht in die wärmende Sonne.   

Ich fühle mich nicht, als würde ich in einem Gebäude stehen. Nein. Vielmehr, als stünde ich wirklich an einem tropischen Fleckchen Erde unter freiem Himmel. Umringt von Palmen und Bäumen, eingebettet in feuchtwarme Luft. Den Duft von Natur in der Nase, die Klänge der Tiere in den Ohren und die prickelnden Sonnenstrahlen auf der Haut. Und das ganz ohne die Gefahr von Sonnenbrand. Definitiv ist der Zoo Neuwied einen Besuch wert. Er ist einer der besondersten Orte, die ich auf meiner Suche nach dem schönsten Tageslicht gefunden habe.
Leider konnte ich das Faultier bei seiner halsbrecherischen Kletteraktion nicht beobachten, aber vielleicht findet ihr den Sonnenanbeter bei eurem Besuch im Zoo Neuwied?
Wenn ja, schickt mir unbedingt ein Foto!